Kleidungs-Guide für Bergsteiger
Bergsteigen ist nichts für schwache Nerven. Bei solchen Abenteuern geht es in vielerlei Hinsicht darum, sich mit der Natur zu messen und die Regeln bestimmt allein der Berg. An einem Tag genießt du die Aussicht vom Gipfel bei strahlendem Sonnenschein, am nächsten Tag kämpfst du beim Abstieg gegen ungemütliche Sturmböen. Daher spielt bei der Bergsteigerkleidung nicht nur Komfort, sondern auch das Thema Sicherheit und ausreichende Bewegungsfreiheit eine entscheidende Rolle - damit du auf jede Situation sicher vorbereitet bist.
Welche Ausrüstung du benötigst, hängt in erster Linie von zwei Faktoren ab: die Wetterbedingungen und die Art der Route. Auf leichteren Routen für Anfänger reicht einfachere Kleidung aus, fortgeschrittene Gipfelstürmer hingegen sind auf extra Strapazierfähigkeit und technische Funktionen angewiesen. Unter extremen Bedingungen wird die Kleidung zum entscheidenden Überlebensfaktor.
Achtung liebe Bergfreunde: das ist eine Einführung zum Thema Bergsteigerbekleidung- und ausrüstung für alle, die ihre eigene Bergtour planen möchten. Dieser Artikel kann ein Teil deiner Planung sein, aber hol dir unbedingt auch Tipps und Ratschläge von erfahrenen Bergsteigern, bevor du dich in anspruchsvolles und schwieriges Gelände begibst oder du komplett neues Terrain entdecken möchtest.
Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade beim Bergsteigen
Nicht jeder Berg erfordert die gleiche Vorbereitung. Zum leichteren Verständnis teilen wir Kleidung und Ausrüstung in drei Stufen ein: leicht, mittel und schwer.
Schwierigkeitsstufe leicht
Anfänger erkunden am besten zuerst die lokalen Gipfel auf gut markierten Wanderwegen. Diese Routen sind oft an einem Tag zu bewältigen und erfordern keine speziellen Kenntnisse im Eis- oder Felsklettern. Auf diesen Routen steht Komfort und Flexibilität an erster Stelle: mit atmungsaktiven Layern, zuverlässigen Wanderhosen und wasserdichten Shelljacken kommst du unter diesen Bedingungen gut ans Ziel.
Schwierigkeitsstufe mittel
Das Gelände wird anspruchsvoller und unwegsamer. Es geht nicht selten über Schneefelder, Gletscher und die Aufstiege sind jetzt länger. Die Wahrscheinlichkeit in schnelle Wetterumschwünge zu geraten ist auch höher. Auf diesem Niveau sollte deine Bergsteigerbekleidung schon etwas robuster sein. Setze auf verstärkte Stoffpartien, bessere Wetterbeständigkeit und steigeisenfeste Wanderschuhe. Eine Shelljacke mit zuverlässiger Kapuze und guter Belüftung ist hier nicht nur ein netter Bonus, sondern ein unerlässlicher Begleiter.
Schwierigkeitsstufe schwer
In der Königsklasse geht es auf richtige Expeditionen und ins Hochgebirge. Dort können dich Bedingungen wie tiefer Schnee, Eiswände und Sturmböen erwarten, die sowohl dich als auch deine Ausrüstung auf die Probe stellen. Auf Abenteuer dieser Art ist die Kleidung dein wichtigstes Schutzsystem vor Kälte und anderen Witterungseinflüssen. Bergsteigerschuhe, isolierende Oberbekleidung und strapazierfähige Shelljacken zählen zum Grundequipment. Unter diesen Bedingungen muss jedes Detail der Kleidung perfekt mit der technischen Ausrüstung harmonieren.
Bergsteigerkleidung im Sommer
Schwierigkeitsstufe leicht – kleinere Berge und Ausflüge
In der Sommerhitze wünscht man sich oft vor allem eines: angenehme Belüftung und zuverlässiger Sonnenschutz. Vor allzu starker Sonneneinstrahlung schützt ein leichtes, feuchtigkeitsableitendes T-Shirt oder dünnes Long-Sleeve. In atmungsaktiven Wandershorts oder Zip-off-Hosen bist du locker leicht auf einfacheren Wanderrouten unterwegs. Pack dir zur Sicherheit eine wasserdichte Shelljacke ein, falls doch mal ein Sommergewitter aufzieht.
Schwierigkeitsstufe mittel – anspruchsvollere Sommertouren
Je schwieriger das Gelände, desto wichtiger werden Strapazierfähigkeit und Flexibilität. Damit du deinen Sommerhike so richtig genießen kannst, sind Trekkinghosen mit Stretcheinsätzen, Belüftungsreißverschlüsse und schnelltrocknende Basics deine besten Buddys. Eine wasserabweisende Softshelljacke schützt dich vor leichtem Regen und Wind, ohne dass du dabei ins Schwitzen gerätst. Eine schützende Kopfbedeckung, eine Sonnenbrille und Wandersocken von hoher Qualität ermöglichen dir einen Aufstieg ohne Hitzeschlag und Blasen.
Schwierigkeitsstufe hoch – Hochgebirge im Sommer
Richtig hohe Gipfel sind selbst mitten im Sommer verschneit und teilweise unwegsam. Auf solchen Touren ist das Zwiebelprinzip entscheidend. Kombiniere für dein Outfit einen feuchtigkeitsableitenden Baselayer, einen isolierenden Midlayer wie beispielsweise ein Fleece und eine hochfunktionale Shelljacke für überraschende Wetterumschwünge. Auf Gletschern und Schneefeldern leisten dir Hosen mit Isoliereffekt und Gamaschen richtig gute Dienste. Auf dem Gipfelanstieg oder bei längeren Pausen schützt dich eine robuste Daunen- oder Synthetikjacke.
Bergsteigerabenteuer im Winter
Leichte Winterwanderungen & einfache Gipfel
Kaltes Wetter erfordert zwar mehr Isolierung, aber du musst dich nicht gleich unbedingt in die komplette Expeditionsausrüstung werfen. Synthetische Baselayer, darüber ein Fleecelayer oder eine leichte Jacke und als Außenschicht eine wind- und wasserdichte Shelljacke, dazu wärmeisolierende Handschuhe, eine Mütze und Wollsocken – und schon ist dein Wanderoutfit komplett. Wasserdichte Wanderschuhe mit wärmenden Einlagen sind in der Regel ausreichend.
Mittelschwere Wintertouren
Je schwieriger das alpine Gelände, desto wichtiger die Ausrüstung. Für mittelschwere Routen eignet sich ein wärmerer Baselayer aus Merinowolle, ein etwas kräftigerer isolierender Midlayer, eine Shelljacke mit speziellen Schnee-Features wie verstellbare Ärmelabschlüsse und eine helmtaugliche Kapuze. Gefütterte Hosen oder Softshell-Hosen in Kombination mit Leggings aus Merinowolle sorgen für angenehme Wärme an den Beinen, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Mit steigeisenkompatiblen Bergschuhen und doppellagigen Handschuhen bist du für diese Herausforderung bestens gerüstet.
All-in – Hochtouren und Winterexpeditionen
Auf diesem Level solltest du dich wirklich professionell ausrüsten, um nicht in sogar lebensbedrohliche Situationen zu kommen. Zur Ausstattung gehören: Bergschuhe mit Innenschuhen, ein Expeditions-Daunenparka oder isolierende Jacke, eine gefütterte Innenhose, eine Shellhose und Fäustlinge mit herausnehmbarem Innenfutter. Jedes Kleidungsstück sollte winddicht und schneeabweisend sein und auch bei Minustemperaturen zuverlässig warmhalten. Gesichtsschutz wie eine Sturmhaube und Gletscherbrille sind unverzichtbar. Im alpinen Hochgebiet müssen Bekleidung und Ausrüstung wie Klettergurte, Helme und Steigeisen perfekt aufeinander abgestimmt sein.
Ausrüstungs-Must-haves für Bergsteiger
Doch Kleidung ist auf dem Berg nicht alles. Auch die Ausrüstung spielt eine wichtige Rolle und muss dementsprechend professionell ausfallen. Nur so ist ein sicherer Aufstieg möglich. Hier das wichtigste Equipment im Überblick:
Bergsteigerstiefel und Bergschuhe
Deine Bergstiefel sind die Grundlage der Ausrüstung. Auf leichteren Routen im Sommer kommst du mit robusten Wanderschuhen aus, doch sobald Schnee, Eis oder technisch anspruchsvolleres Gelände mit ins Spiel kommen, braucht es spezielle Bergsteigerschuhe, die fester, wärmer und oft auch mit Steigeisen kombinierbar sind.
Isolierende Bergschuhe (eventuell mit Innenschuh) eignen sich ideal für lange Strecken auf Schnee oder Gletschern. Sie spenden die nötige Wärme und sicheren Halt.
Ungefütterte Bergschuhe sind leichter und eignen sich besser für einfacheres Gelände oder wärmeres Wetter.
Achte immer darauf, dass deine Schuhe steigeisenfest sind, damit du für jede Situation vorbereitet bist. Die richtige Passform, ein kräftiges Sohlenprofil und der Rahmen sind weitere entscheidende Faktoren.
Laufe die Schuhe rechtzeitig mit deinen Bergsocken ein, damit es unterwegs nicht zu unliebsamen Überraschungen in Form von Blasen kommt.
Steigeisen, Eispickel und Wanderwerkzeuge
Auf verschneiten Hängen oder Eis gehören Steigeisen und ein Eispickel zur nötigen Ausrüstung.
Steigeisen werden an den Stiefeln befestigt und sorgen für Halt auf eisigem Untergrund. Modelle aus Stahl überzeugen mit einer langen Lebensdauer, leichtere Steigeisen reichen bei geringerer Abnutzung aus. Wichtig ist, dass die Bindung (zum Schnallen, zum Hineinschlüpfen, Hybrid) mit deinen Stiefeln kompatibel ist.
Eispickel dienen als Sicherheitswerkzeug und Gehhilfe. Du benötigst einen geraden Schaft sowie einen Stahlkopf. Berührt dessen Spitze den Knöchel, wenn du ihn aufrecht hältst, hast du die richtige Größe gewählt.
Wenn du auf deiner Route vorhast, über Eis zu klettern, benötigst du Seile, Gurte und Ausrüstung zur Spaltenrettung (Prusiks, Schlingen, Seilrollen). In Gletschergebieten muss deine Kletterbekleidung mit einem Gurt- und Seilsystem kompatibel sein, daher sollten Shelljacken ausreichend Platz bieten.
Helme & Kopfschutz
Herabfallende Steine und rutschige Felsen, beim Klettern steht man vor so mancher Herausforderung. Ein Kletterhelm bietet dir den nötigen Schutz. Viele handelsübliche Kletterhelme eignen sich auch für Bergsteiger, wobei Helme für den alpinen Einsatz oft über eine bessere Isolierung oder schneewiderständige Form verfügen. Wichtig ist, dass die Riemen sicher halten und der Helm auch über einer Mütze gut sitzt. Befestigungspunkte für eine Stirnlampe sollten ebenso vorhanden sein.
Rucksäcke & Tragesysteme
Dein Bergsteiger-Outfit muss perfekt mit deinem Rucksack harmonieren. Bergsteigerrucksäcke sind schmaler geschnitten, damit die Schultern frei bewegt werden können. Achte beim Kauf auf Features wie Eispickel- und Ausrüstungsschlaufen sowie Stockhalter. Im Rucksack finden Kleidung, Ersatzausrüstung, Wasser und Notfallausrüstung Platz. Kleidung und Jacke sollten beim Tragen nicht verrutschen. Wasserdichte Schutzhüllen und Trockenbeutel schützen Kleidung und Wertgegenstände vor Nässe und Regen.
Zelte & Biwaks
Auf mehrtägigen Touren wird dein Zelt zum mobilen Zuhause und wichtigen Schutz vor den Wetterverhältnissen. Deshalb ist die Wahl des richtigen Zeltes ebenso ausschlaggebend wie die Auswahl von Kleidung und funktioneller Ausrüstung. Das gesamte Equipment muss nahtlos miteinander harmonieren.
3-Jahreszeiten-Zelte: Diese leichten, gut belüfteten Zelte eignen sich ideal für einfache und mittelschwere Bergtouren oder Wanderungen bei sommerlichen Temperaturen. Sie bieten Schutz vor Regen und Wind, sind jedoch nicht für starke Schneelasten oder extreme Windverhältnisse geeignet. Haben ein geringes Packmaß und wenig Gewicht oberste Priorität, bist du hier gut beraten.
4-Jahreszeiten-Zelte: Auf anspruchsvolleren Winter- oder Höhenrouten ist ein 4-Jahreszeiten-Zelt notwendig. Diese Zelte verfügen über stabilere Gestänge, strapazierfähigere Materialien und ein schnee- sowie windabweisendes Design. Sie wiegen zwar mehr, bieten aber bei härteren Witterungsbedingungen den entscheidenden Schutz.
Expeditionszelte: Expeditionszelte sind Standard beim Extrembergsteigen und Höhenbesteigungen. Sie gehören zu den robustesten Zelten und sind oft mit mehreren sich kreuzenden Stangen und verstärkten Abspannleinen ausgestattet, um sogar Hurrikan-Stärken und starkem Schneefall standzuhalten.
Kleidung und Schlafsack sollen im Zelt bequem Platz finden. Nutze den Vorraum des Zelts zum Trocknen von nasser Kleidung und Schuhen. Das Zelt ist ein bedeutender Sicherheitsfaktor am Berg. Es ist dein Ort, um neue Kraft zu tanken, Ausrüstung zu trocknen und Schutz vor Regen und Wind zu finden.
Klettergurte, Karabiner und technische Ausrüstung
Stehen Klettersteige oder steile Rinnen auf dem Plan, gehört der Klettergurt mit ins Gepäck. Klettergurte für Bergsteiger sind oft mit Beinschlaufen ausgestattet, die sich öffnen lassen, damit sie zu Stiefeln oder dicker Winterkleidung passen. Die Kleidung darf den Zugang zu Beinschlaufen oder Materialschlaufen nicht behindern. Karabiner, Schlingen und Materialschlaufen sollten von der Shelljacke bzw. der äußeren Kleidungsschicht aus leicht zugänglich sein. Brusttaschen mit Reißverschluss und Innentaschen runden dein Profi-Outfit ab.
Handschuhe, Fäustlinge und Schutz für Extremitäten
Auch wenn die Jacke schon über alle erdenklichen Finessen verfügt, brauchen Hände, Kopf und Füße genauso angemessene Ausrüstung, damit es nicht kalt und unbequem wird.
Setze bei Klettertouren unter kälteren Bedingungen auf dünnere Innenhandschuhe zu deiner stärkeren Jacke, damit die Feinmotorik erhalten bleibt, die Hände aber dennoch den nötigen Schutz bekommen.
Fäustlinge (mit herausnehmbaren Innenhandschuhen) bieten hervorragende Isolierung bei sehr kalten Temperaturen oder in großen Höhen.
Die Fingerspitzen sollten touchscreenfähig sein, damit du sie beim Bedienen von Navigations- oder Kommunikationsgeräten nicht ausziehen musst.
Packe zur Sicherheit immer ein Ersatzpaar in deine wasserdichte Tasche. Handschuhe können manchmal unerwartet kaputtgehen.
Notfall- und Ersatzausrüstung
Dein Rucksack sollte ein gewisses Backup enthalten, falls etwas schief geht. Dazu gehören:
zusätzliche Unterwäsche oder Socken
Notfall-Biwaksack oder leichte Isolationsjacke
Gesichtsschutz oder Sturmhaube
Ersatzhandschuhe oder -fäustlinge
Bandana, Schlauchschal oder Halstuch
Dieses Equipment ist wie dein Sicherheitsnetz. Du brauchst es vielleicht gar nicht oder nur äußerst selten, doch im Notfall kannst du dich darauf verlassen.
Der Berg fordert Respekt und eine sorgfältige Vorbereitung. Dieser Guide kann als Ausganspunkt für die Planung einer sicheren Tour dienen. Bei Kleidung und Ausrüstung geht es nicht nur rein um Komfort, sondern auch um den Sicherheitsfaktor. Passe dein Equipment stets genau den vorhersehbaren, aber auch den unvorhersehbaren Anforderungen deiner Route an. Bei einer sorgfältigen Wahl steht deinem alpinen Abenteuer nichts mehr im Wege. Und denk daran: der Weg gehört dir, aber die Spielregeln bestimmt die Natur. Jetzt geht es aber los: der Berg ruft!




